Welche Übungsdosierung sagt eine Verbesserung der Kniegelenksarthrose voraus?
Treten Frequenz, Volumen oder Intensität die besseren KOOS- und VAS-Ergebnisse bei Kniegelenksarthrose hervor? Ein Überblick über aktuelle Evidenzen zu Adhärenz, Dosierung und klinischer Bedeutung.

Wir verschreiben Übungen bei Kniegelenksarthrose (KOA) mit der Annahme, dass mehr besser ist. Die Leitlinien sind klar: Stärken Sie den Quadrizeps, verbessern Sie die Funktion und reduzieren Sie Schmerzen. Doch wenn wir uns die Daten ansehen – insbesondere patientenberichtete Endpunkte wie KOOS und VAS im Verhältnis zur tatsächlich verabreichten „Dosis“ – wird das Bild trüber. Muss ein Patient dreimal pro Woche trainieren, um einen Rückgang seines VAS-Scores zu sehen? Ist es das Gesamtvolumen (Sätze/Wiederholungen) oder die Frequenz, die am meisten zählt? Und was passiert, wenn wir dies über das kontrollierte Umfeld der Klinik hinaus skalieren? Die Literatur deutet darauf hin, dass zwar das Krafttraining unverzichtbar ist, die spezifischen Metriken der Adhärenz – Frequenz versus Volumen versus Intensität – jedoch nicht linear auf die klinische Verbesserung abbilden, wie wir es oft lehren. Tatsächlich stammen einige der stärksten Signale für Verbesserungen von hochintensiven aeroben Trainingseinheiten oder kombinierten Protokollen der kinetischen Kette, anstatt von einfachen Wiederholungszahlen.
Intensität treibt strukturelle und funktionelle Veränderungen voran
Eine häufige klinische Heuristik lautet: „Start low and go slow“, um Schübe zu vermeiden. Aktuelle RCT-Daten hinterfragen jedoch die Idee, dass niedrigintensive Belastungen für eine bedeutende strukturelle und symptomatische Veränderung bei moderater bis schwerer KOA ausreichen. Song et al. (2026) verglichen niedriges (50–60 % HRR), mittleres (60–70 % HRR) und hochintensives (70–80 % HRR) aerobes Training bei Patienten mit Kellgren-Lawrence-Grad 2–3 OA. Die Gruppe mit hoher Intensität zeigte die größten Reduktionen bei Markern für den Knorpelabbau (C-telopeptid des Typ-II-Kollagens) sowie die stärksten Verbesserungen bei den WOMAC-Scores (-45,3 %) und VAS-Schmerzen (-52,5 %). Unter den Teilnehmern der Hochintensitätsgruppe erreichten 73 % die minimal klinisch bedeutsamen Differenzen (MCID) für den Gesamt-WOMAC-Score und 80 % die MCID für VAS-Schmerzen. Dies legt nahe, dass, wenn das Ziel eine signifikante Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung ist, die Intensität des Reizes möglicherweise ein stärkerer Prädiktor für das Ergebnis ist als die bloße Frequenz. Natürlich handelte es sich hierbei um beaufsichtigtes Laufband-/Fahrradtraining; die Übertragung auf die Heimadhärenz erfordert eine sorgfältige Überwachung, um die Sicherheit zu gewährleisten, ohne die Intensität unter den therapeutischen Schwellenwert fallen zu lassen.
Alleinige Frequenz garantiert keine Adhärenz
Wenn die Intensität die physiologische Veränderung antreibt, wie verhält es sich dann mit der Logistik, den Patienten dazu zu bringen, sie durchzuführen? Wir verschreiben Übungen oft standardmäßig dreimal pro Woche. Aber führt die einmal wöchentliche Durchführung zu anderen Ergebnissen, wenn das Volumen angepasst wird? Während Ergebnisse noch ausstehen, unterstreicht die Existenz dieser Studie die Unsicherheit in unserem Fachgebiet hinsichtlich der optimalen Frequenz. Der Rückgang der Adhärenz bleibt ein Hauptgrund dafür, warum Kraftübungen in der Routineversorgung versagen. Die Herausforderung besteht nicht mehr darin, ob Krafttraining wirkt, sondern unter welchen Bedingungen es im großen Maßstab konsistent wirkt. Wichtige Modifikatoren sind die Heterogenität der Patienten und eine „flare-aware delivery“ (Schub-bewusste Verabreichung). Ein flexibler Ansatz, der eine Anpassung des Volumens basierend auf den täglichen Schmerzpegeln ermöglicht, könnte die langfristige Bindung besser erhalten als ein fester Kalenderplan.
Volumen und Komplexität sind wichtiger als einfache Wiederholungen
Wenn wir das Volumen auflösen, müssen wir betrachten, wie es strukturiert ist. Maqsood et al. (2026) stellten fest, dass die Ergänzung von Kernstabilitätsübungen zu Übungen der kinetischen Kette zu überlegenen Verbesserungen der KOOS-Gesamtwerte (+34,8 gegenüber +25,7) und einer stärkeren Schmerzreduktion führte als Übungen der kinetischen Kette allein. Hier war das „Volumen“ nicht einfach nur mehr Wiederholungen; es handelte sich um ein komplexeres, integriertes Bewegungsmuster. Dies unterstützt die Vorstellung, dass die Qualität und Integration der Bewegung (kinetische Kette + Rumpfstabilisierung) bessere funktionelle Ergebnisse vorhersagt als isoliertes Krafttrainingsvolumen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, das Volumen basierend auf Patienteneigenschaften (wie dem BMI) zu individualisieren, anstatt eine universelle Wiederholungszahl anzuwenden.
Die reale Schrittzahl korreliert mit der Funktion
Jenseits der Klinik zählt das tägliche Aktivitätsvolumen. Narkbunnam et al. (2026) führten eine landesweite Querschnittsstudie in Thailand durch, die objektiv gemessene tägliche Schrittzahlen mit Gesundheitsergebnissen bei thailändischen Erwachsenen im Alter von ≥ 60 Jahren verknüpfte. Sie fanden eine signifikante monotone Dosis-Wirkungs-Beziehung: Höhere Schrittzahlen (>15.000/Tag) waren mit deutlich besseren KOOS-Scores (+9,5 Punkte), schnellerer Gehgeschwindigkeit und kürzeren TUG-Zeiten im Vergleich zu niedrigen Schrittzahlen (≤3.000/Tag) verbunden. Obwohl dies eine Beobachtungsstudie und keine Interventionsstudie ist, bietet sie eine starke ökologische Validität für die Idee, dass das allgemeine Bewegungsvolumen (Schritte) ein robuster Prädiktor für den Funktionsstatus bei KOA ist. Für den Kliniker bedeutet dies, dass die Verschreibung von „Übungen“ idealerweise sowohl gezieltes Kraft-/Aerobic-Training ALS AUCH allgemeine tägliche Mobilität umfassen sollte, da beide zum gesamten KOOS/VAS-Profil beitragen.
Was ändert sich also in Ihrer Praxis? Die Evidenz spricht dafür, von der One-size-fits-all-Verschreibung „3 Sätze à 10 Wiederholungen“ abzurücken. Stattdessen sollten Sie Folgendes berücksichtigen: 1. Priorisieren Sie die Intensität innerhalb sicherer Grenzen: Wenn der Patient es toleriert, zielen Sie auf höherintensives aerobes oder Widerstandstraining ab, um die Erreichung der MCID zu maximieren, anstatt sich nur auf niedrigbelastete Ausdauer zu verlassen. 2. Individualisieren Sie das Volumen nach Körpermasse: Bei übergewichtigen Patienten überwachen Sie das Volumen relativ zum Körpergewicht (z. B. kcal/kg), um mechanische Überlastung zu vermeiden. 3. Flexible Frequenz: Seien Sie nicht dogmatisch bezüglich 3x/Woche. Nutzen Sie eine schub-bewusste Verabreichung, um die Frequenz basierend auf den täglichen Symptomen anzupassen, was die langfristige Adhärenz potenziell verbessert. 4. Erfassen Sie die allgemeine Aktivität: Fördern Sie Schrittzahlenziele neben spezifischen Übungen, da das allgemeine Mobilitätsvolumen stark mit funktionellen Ergebnissen korreliert.
Quellen
- Maqsood M, Sohail J, Batool SA. Combined mode-kinetic chain exercise with and without core stability exercises on patients with knee osteoarthritis. BMC musculoskeletal disorders (2026) · PMID 41987086
- Song L, Meng Y. Effect of aerobic exercise of different intensity on articular cartilage metabolism in patients with knee osteoarthritis: A randomized controlled trial. Medicine (2026) · PMID 42216405
- Narkbunnam R, Chareancholvanich K, Achawakulthep C et al. Dose-response association between daily step count and health-related outcomes in older adults: a nationwide cross-sectional study in Thailand. BMC geriatrics (2026) · PMID 42151829
