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Was sagt die aktuelle Evidenz zur Wirksamkeit von Bewegungstherapie und adjuvanten Behandlungen bei Rotatorenmanschetten-Tendinopathie?

Netzwerk-Metaanalysen stufen das konzentrische Krafttraining als die effektivste Übungsform für Dysfunktionen ein, während psychologische Faktoren und zentrale Sensibilisierung die Variabilität der Behandlungsergebnisse erklären, was eine rein strukturelle Diagnose nicht leisten kann.

PhysioSync21. August 20264 Min. Lesezeit

Die Rotatorenmanschetten-Tendinopathie ist in der muskuloskelettalen Praxis eine häufige Diagnose. Die Belastung ist erheblich: Schulterschmerzen haben unter den gängigen muskuloskelettalen Regionen den stärksten Einfluss auf die Lebensqualität und beeinträchtigen sowohl körperliche als auch psychische Gesundheitsbereiche (Imagama et al., 2020). Seit Jahren dreht sich die klinische Debatte darum, ob man manuelle Therapie, Injektionen oder Bewegungstherapie priorisieren sollte. Aktuelle Netzwerk-Metaanalysen beginnen nun, die vergleichende Wirksamkeit dieser Interventionen abzubilden, und verschieben den Fokus von anekdotischen Präferenzen hin zu evidenzbasierten Rangfolgen. Die Frage ist nicht mehr, ob Bewegungstherapie wirkt – das tut sie. Die eigentliche Frage lautet, welche Art von Übung die besten Ergebnisse bei Schmerz und Funktion liefert und wo andere Modalitäten in diese Hierarchie passen.

Konzentrisches Training führt bei Dysfunktionen

Eine aktuelle bayessche Netzwerk-Metaanalyse, die sieben verschiedene Übungsarten bei schulterbezogener Schmerzen der Rotatorenmanschette vergleicht, zeigt eine klare Hierarchie (Zhang et al., 2025). Bei der Analyse der Schulterfunktionsstörung zeigte das konzentrische Krafttraining in den meisten Vergleichen einen signifikanten Vorteil und wurde basierend auf der Fläche unter der kumulativen Ranking-Kurve (SUCRA) als die effektivste Intervention identifiziert. Allerdings kommt es auf die spezifische Modalität an. Während allgemeines Belastungstraining vorteilhaft ist, deuten die Daten darauf hin, dass die Priorisierung der konzentrischen Stärke gegenüber anderen Formen die funktionale Genesung optimieren könnte. Es ist erwähnenswert, dass Subgruppenanalysen populationsspezifische Nuancen aufzeigen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, das Übungsprogramm nicht nur nach der Gewebepathologie, sondern auch nach den Aktivitätsanforderungen und dem Patientenprofil anzupassen.

Injektionen bieten nur kurzfristige Linderung

Wo stehen Injektionen in dieser Hierarchie? Narrative Übersichtsartikel zu Kortikosteroid- und Plättchen-reichem Plasma (PRP)-Injektionen weisen eine zeitliche Trennung in der Wirksamkeit nach (Kyaw & Khin, 2025). Kortikosteroide bieten eine robuste kurzfristige Schmerzlinderung (<3 Monate), was sie für die schnelle Symptomkontrolle nützlich macht. Ihre Vorteile lassen jedoch mit der Zeit nach, und der wiederholte Einsatz kann die Sehnenheilung beeinträchtigen. PRP zielt darauf ab, die Gewebereparatur zu fördern und kann mittelfristig bis langfristig (6–12 Monate) nachhaltigere Verbesserungen bieten, wobei die Evidenz aufgrund unterschiedlicher Aufbereitungsprotokolle heterogen bleibt. Hochintensiv-Lasertherapie (HILT) zeigt ebenfalls vielversprechende Ergebnisse bei der Reduktion von Schmerzen und Verbesserung der Behinderung, insbesondere bei schulterbezogenen Erkrankungen, obwohl die Effektstärken variieren. Diese Modalitäten dienen als Ergänzung, nicht als Ersatz für aktive Rehabilitation.

Psychologie sagt das Ergebnis besser voraus als die Struktur

Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis aus der aktuellen Literatur, dass die strukturelle Diagnose sehr wenig zur Varianz der Behandlungsergebnisse beiträgt. Eine multizentrische longitudinale Kohortenstudie ergab, dass Erwartungen der Patienten zum Behandlungsbeginn, das Selbstwirksamkeitsgefühl im Umgang mit Schmerzen und ein geringeres Ausgangsniveau an Behinderung konsistent mit besseren Physiotherapie-Ergebnissen verbunden waren, wohingegen klinische Untersuchungsbefunde, die mit spezifischen strukturellen Diagnosen verknüpft sind, dies nicht taten (Chester et al., 2018). Hohe Resilienz und positive Erwartungen an die Genesung korrelieren mit niedrigeren Schmerz- und Behinderungswerten. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf eine Sensibilisierung des Nervensystems bei persistierenden Tendinopathien, einschließlich verminderter Druckschwellenwerte am und entfernt vom Verletzungsort, was darauf hindeutet, dass die zentrale Sensibilisierung eine Rolle spielt. Dieses mechanistische Verständnis hilft zu erklären, warum therapeutische Übungen mit Belastung günstige Reaktionen hervorrufen – sie können die zentrale Schmerzverarbeitung neben der lokalen Gewebeanpassung modulieren (Littlewood et al., 2013).

Implikationen für die klinische Entscheidungsfindung

Für die praktizierende Physiotherapeutin oder den praktizierenden Physiotherapeuten deutet diese Evidenzbasis auf einen Wandel im Ansatz bei der Behandlung von Rotatorenmanschetten-Tendinopathien hin: Erstens sollte das konzentrische Krafttraining als primärer Treiber für funktionelle Verbesserungen priorisiert werden, wobei anzuerkennen ist, dass die Übungen an die spezifischen Aktivitätsanforderungen des Patienten angepasst sein müssen. Zweitens sollten Injektionen als Werkzeuge zur kurzfristigen Schmerzmodulation betrachtet werden, um die Mitarbeit bei den Übungen zu erleichtern, und nicht als kurative Einzelbehandlungen. Wenn PRP eingesetzt wird, sollten die Erwartungen bezüglich der variablen Evidenzlage und der höheren Kosten gemanagt werden. Drittens sollten psychosoziale Faktoren frühzeitig erfasst und angesprochen werden. Patientenaufklärung, Erwartungsmanagement und der Aufbau von Selbstwirksamkeit sind keine „weichen“ Fähigkeiten – sie sind prognostische Indikatoren, die die Ergebnisse direkt beeinflussen. Das Ignorieren dieser Faktoren lässt behandelbare Varianz ungenutzt. Schließlich ist anzuerkennen, dass anhaltende Schmerzen mit einer zentralen Sensibilisierung verbunden sein können. Gestufte Exposition und kontrolliertes Wiederaufbauen der Belastung adressieren sowohl periphere als auch zentrale Mechanismen, mehr als passive Modalitäten allein. Die Hierarchie ist klar: Bewegungstherapie, speziell das konzentrische Krafttraining, steht bei der Funktion an erster Stelle. Injektionen und manuelle Therapien nehmen unterstützende Rollen bei der Symptommodulation ein. Aber der wahre Unterscheidungsfaktor bei erfolgreichen Fällen ist oft die Fähigkeit der Klinikerin oder des Klinikers, biomechanische Belastung mit psychologischer Unterstützung zu integrieren.

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Quellen

  1. Littlewood C, Malliaras P, Bateman M et al. The central nervous system--an additional consideration in 'rotator cuff tendinopathy' and a potential basis for understanding response to loaded therapeutic exercise. Manual therapy (2013) · PMID 23932100
  2. Chester R, Jerosch-Herold C, Lewis J et al. Psychological factors are associated with the outcome of physiotherapy for people with shoulder pain: a multicentre longitudinal cohort study. British journal of sports medicine (2018) · PMID 27445360
  3. Zhang W, Du M, Xia L et al. Effects of seven types of exercise in the treatment of rotator cuff-related shoulder pain (RCRSP): a systematic review and Bayesian network meta-analysis. Journal of orthopaedic surgery and research (2025) · PMID 41276811
  4. Kyaw O, Khin C. Short-Term Relief or Long-Term Repair: A Narrative Review of Corticosteroid and Platelet-Rich Plasma Injections in Rotator Cuff Tendinopathy. Cureus (2025) · PMID 41268031
  5. Imagama S, Ando K, Kobayashi K et al. Shoulder pain has most impact on poor quality of life among various types of musculoskeletal pain in middle-aged and elderly people: Yakumo study. Modern rheumatology (2020) · PMID 31132288